
Es war ein verregneter Sonntagnachmittag. Ich saß auf meinem butterweich gepolsterten Sessel an der Fensterbank und beobachtete die Schlieren, die der Regen auf der Außenseite des Fensters hinterließ. Die Fassade der gegenüberliegenden Häuserreihe sah durch die Tropfen eigenartig verzogen aus. Der rechteckige Klinker war zu prallen, karmesinroten Ellipsen angeschwollen, sah wie der eitrige, aknegeplagte Rücken meiner Jugend aus. Wie Träume und Visionen wollte ich die Tropfen zum Platzen bringen, in Sekundenschnelle, ein Wimpernschlag, boom, Alles dahin, leer. Ent-täuschung, endlich. Dazwischen stand mein Nachbar, der Rauch in Schwaden in den grauen Einheitsbrei von Himmel ausstieß. Im Hintergrund hörte ich ein- und denselben Klavierakkord. D-Moll, d-f-a, wie meine Googlesuche ergab. Keine Ahnung, was ich mir davon erhoffte, konnte ich Noten ohnehin nicht lesen. Fad, damit konnte ich was anfangen. Dazu die Stimme, die die Monotonie der Melodie noch zu steigern vermochte: „Wer die Freiheit liebt, liebt die Einsamkeit.“
Mein Part der Komposition, der bestand darin, alle zehn Sekunden die Repeat-Taste auf meinem Handy zu drücken. Ich zählte zehn Anschläge, bis die Stimme des Sängers einsetzte. Klick. Gesicht nicht erkennbar, so eine Scheiße. Zurück, wieder von vorn.
Die Aneinanderreihung von Worten hatte seit jeher die Macht meine Haut zum Sirren zu bringen, wenn sie in mich eindrangen. Wie eine elektrische Hülle war ich dann aufgeladen. Eine semipermeable Membran, durch die Buchstabe um Buchstabe in mein Innerstes diffundierten. Aber raus, raus ging dann Nichts mehr, ließ ich Nichts mehr, ich war erfüllt. Osmotisch, nannten es die Naturwissenschaftler:innen. Mir war das egal, ich dürstete nach mehr. Raupe Nimmersatt. Mehr Lyrics auf Akkord, die mit einem inneren Anteil in mir räsonierten. Tanzende Buchstaben als Ergebnis noch wahlloserer schwarzer Serifen, die das Kauderwelsch an Gefühlen ordneten. Worte, die auszudrücken imstande waren, wo ich für Leere vergeblich welche suchte. Fühlte sich so Freiheit an?
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